1945: Geschichte und Gegenwartsbedeutungen in Mecklenburg und Vorpommern
Anlässlich des 65. Jahrestages des Kriegsendes widmete sich das 23. Landesgedenkstättenseminar am 22./ 23. April 2010 dem Umgang mit diesem Geschichtsereignis. Wir tagten in der Jugendbegegnungsstätte Engelscher Hof Röbel und der Gedenkstätte Todesmarsch Belower Wald. Während wir uns am ersten Tag mit dem regionalen Geschehen im Kontext von NS-Herrschaft, Krieg und Besatzungszeit sowie der Bedeutung für das öffentliche Gedächtnis nach 1945 beschäftigten, stand am zweiten Tag der Todesmarsch der KZ-Häftlinge von Sachsenhausen nach Nordwestdeutschland und das Kennenlernen eines historischen Ortes auf dem Programm.

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Dr. Harald Schmid (Kiel) führte in den Wandel im Umgang mit dem historischen Datum 8. Mai 1945 und seine gegenwärtige Bedeutung für unsere Erinnerungskultur ein. Er gab einen Überblick zur erinnerungspolitischen Bedeutung des Datums in beiden deutschen Nachkriegsstaaten und arbeitet die Veränderungen nach 1989 heraus. In der folgenden Podiumsdiskussion stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie eine europäische Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg aussehen soll. Kontrovers beurteilten Prof. Günter Morsch (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) und Dr. Schmid den zum europäischen Gedenktag für alle Opfer totalitärer und autoritärer Regime durch das EU-Parlament deklarierten 23. August.

Am Nachmittag standen die Themen NS-Zwangsarbeit (Prof. Pfüller), Besetzung Vorpommerns und Mecklenburgs durch die Rote Armee (Dr. Lakowski) sowie Bilder von Kriegsende im Raum Ludwigslust (Ramona Ramsenthaler) und Denkmale für deutsche Kriegsopfer (Dr. Wagner) auf dem Programm. Abgeschlossen wurde der Tag mit einer Podiumsdiskussion zu regionalen Erscheinungsformen des Erinnerns an das Kriegsende. Die Fachleute plädierten dafür, Erinnern konkret und ortsbezogen zu praktizieren und jugendgemäße Zugänge zu suchen. Karl-Georg Ohse (Ludwigslust), Holm-Henning Freier (Neubrandenburg) und Dr. Kreibig (Röbel) diskutierten mit dem Publikum.

Am zweiten Tag fuhren wir in die Gedenkstätte Todesmarsch Belower Wald, die am 16. April neu eröffnet wurde.  Die Leiterin, Carmen Lange, begrüßte uns und führte durch das Gebäude und die neue Freiluftausstellung. Dr. Erpel (Berlin) untersuchte den Verlauf der Todesmärsche und zeigte wie durch eine quellenkritische Analyse auch Fotos zu Erkenntnisfortschritten führen können. In Arbeitsgruppen vertieften wir am Nachmittag Fragen der pädagogischen Praxis, probierten neue Ansätze aus und diskutierten Erfahrungen aus der Bildungsarbeit. Die Teilnehmenden lobten die neue Freiluftausstellung und die verbesserten Lernmöglichkeiten in der Gedenkstätte.

Das Seminar wurde positiv bilanziert, vor allem die Intensität der Auseinandersetzung mit den Themen und die Verknüpfung von Geschichtsforschung und Bildungspraxis hoben die Teilnehmenden hervor. Dennoch steht vor den Veranstaltern die Aufgabe, das Seminarformat aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen in der Gedenkstättenlandschaft von Mecklenburg-Vorpommern zukünftig zu überdenken.