21. Landesgedenkstättenseminar in Ludwigslust


foto_lgs_juni_2008.jpgAm 20./ 21. Juni 2008 fand in Ludwigslust das diesjährige Landesgedenkstättenseminar statt. Das Thema des Seminars lautete:
"Vom Nutzen der Erinnerungsorte – konkrete Orte und offene Fragen für
die Arbeit mit ihnen". Über 50 Fachleuten aus Mecklenburg-Vorpommern
und darüber hinaus folgten der Einladung. Sie diskutierten Fragen nach neuen Präsentationen sowie Vermittlungsformen und -inhalten in den Gedenkstätten und den damit verbundenen Herausforderungen. Die Mahnmale in Wöbbelin (2005) und auf dem Sachsenberg in Schwerin (2008) befruchteten die Debatte um neue Ausdrucksformen für das Erinnern. 

Die Veranstaltung begann mit einem Grußwort des Direktors der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt, der auf die politischen Rahmenbedingungen für Gedenkstättenarbeit in M-V Bezug nahm und auf die Diskussion über neue Perspektiven für die Gedenkstättenarbeit verwies, die durch den Beitrag von Jörn Mothes im Deutschland Archiv 2/ 2008 eröffnet wurde.

Anschließend führte Matthias Pfüller (Politische Memoriale e. V.) in das Thema ein und stellte exemplarisch den Formenwandel unter den NS-Gedenkzeichen in M-V vor. Dabei plädierte er für eine stärkere Interaktion mit den BesucherInnen und eine lebendige Erinnerungsarbeit, die die geschlossenen Räume für das Lernen verlässt. Dem Wandel an einem konkreten Erinnerungsort widmete sich Clemens Heinrichs (Gedenkhalle Oberhausen), der die älteste kommunale NS-Gedenkstätte in den westlichen Bundesländern leitet. Er gab spannende Einblicke in die Geschichte der Gedenkstätte und stellte die Planungen für eine neue Ausstellung vor, in der es vor allem um die Geschichte der NS-Zwangsarbeit gehen wird.

Auf der folgenden Exkursion besuchten die Teilnehmenden NS-Gedenkstätten in Ludwigslust, Neustadt-Glewe und Wöbbelin, wo an Opfer des KZ-Außenlagersystems erinnert wird. Wie wichtig dieses konkrete Anschauen und Wahrnehmen der Situation vor Ort war, belegten die Fragen an den einzelnen Orten und
in der bilanzierenden Podiumsdiskussion nach der Exkursion. Dabei ging es vor allem um den unterschiedlichen Entwicklungen an den einzelnen Orten, den Anteil der Erinnerungsarbeit für eine Auseinandersetzung mit aktuellem Rechtsextremismus und die Bildungsarbeit mit immer jüngeren Teilnehmenden.

Den zweiten Tag eröffnete Matthias Heyl (Gedenkstätte Ravensbrück) mit grundsätzlichen Überlegungen zum Wandel der pädagogischen Arbeit in Gedenkstätten. Er bilanzierte zentrale Standards der Gedenkstättenpädagogik und eröffnete einen Problemhorizont für die weitere Debatte. Julia Franz (Anne Frank Zentrum, Berlin) vertiefte einige dieser Fragen am Beispiel der eigenen Einrichtung. Ausgehend von zentralen Ergebnissen der Evaluation der Bildungsarbeit des Anne Frank Zentrum 2007 schlug sie die Brücke zu einem neuen Modellprojekt, dass NS-Geschichte über die graphic novel "Die Suche" vermitteln möchte.

Um intensiver über einzelne Themen diskutieren zu können, teilte sich das Publikum in drei Workshops auf. Im ersten Workshop stellten Ulrike Maschner (FH Neubrandenburg) und Ramona Ramsenthaler (Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin) Lernmaterialien zur Vorbereitung und Durchführung von lokalen Gedenkstättenbesuchen vor. Julia Franz führte im zweiten Workshop ihre Überlegungen zu den Formen der Gedenkstättenarbeit fort und fragte nach den gegenwärtigen Grenzen von künstlerischen Formen und dem Einsatz von neuen Medien. Im dritten Workshop gab Matthias Pfüller Denkanstöße zur Abkehr vom Text und der neuen Orientierung an Bildern in den Ausstellungen und der Vermittlungsarbeit in Gedenkstätten.

Die Arbeitsergebnisse und Fragen aus den Kleingruppen wurden anschließend dem gesamten Plenum vorgestellt. Insgesamt zogen die Teilnehmenden eine positive Bilanz der Veranstaltung, die unverändert eine wichtige Rolle in der Vernetzung der Gedenkstättenarbeit in M-V spielt und neue Impulse für die weitere Arbeit setzt.