6. Häftlingstreffen in Bützow

Historische Orte als gegenwärtige Gedenk- und Lernorte

Vom 13. bis 15. Oktober 2008 trafen sich über 40 ehemalige politische Häftlinge, die zu DDR-Zeiten in den Bützower Gefängnissen eingesperrt waren, und über 60 weitere TeilnehmerInnen in Bützow zum sechsten Häftlingstreffen. Sie forderten eine kritische Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit. Höhepunkte der Veranstaltung waren die Übergabe des Mahnmal für die politischen Häftlinge in den Bützower Gefängnissen 1945 bis 1989 und die Vorstellung einer neuen Broschüre der Friedrich-Ebert-Stiftung, in der die vergangenen Bützower Häftlingstreffen bilanziert werden. Weitere spannende und vielfältige Punkte bildeten das Veranstaltungsprogamm. 
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Am 13. Oktober begrüßten der Bürgermeister der Stadt Bützow, Herr Stroppe, und die neu berufene Landesbeauftragte M-V für die Stasiunterlagen, Frau Pagels-Heineking, die Gäste und würdigten das Engagement der Veranstalter. Anschließend stellten Anne Drescher (Schwerin) und Martin Just (Schwerin) neue Veröffentlichungen vor. Das Heft 14 der Beiträge zur Geschichte von Mecklenburg-Vorpommern der Friedrich-Ebert-Stiftung trägt den Titel „Politische Strafjustiz 1945-1989. Der Gefängnisstandort Bützow als gedenk- und Lernort“.
 
Die Veranstaltung am zweiten Tag eröffnete der Landrat des Kreises Güstrow, Lutz da Cunha. Der Bützower Künstler Wolfgang Severin-Iben sorgte mit seinen Bildern im Festsaal des Rathauses für Aufmerksamkeit. Als Hauptredner hatten die Veranstalter Herrn Hinrich Kuessner, Landtagspräsident a. D., gewonnen. Mit sehr persönlichen Gedanken sprach er über den "Wert und Nutzen einer kritischen Erinnerung an die DDR". Sein differenzierter Blick auf die Vergangenheit lebte von ehrlichen und genauen Geschichten, die sich nicht in einem Schwarz-Weiß-Bild erschöpften. Dennoch wurden die Schattenseiten des Systems deutlich benannt. Anschließend übergab die Stadt vor dem Krummen Haus auf dem Schlossplatz das Denkmal für die politischen Häftlinge in den Bützower Gefängnissen 1945-1989. Grußworte sprachen Dr. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Bürgermeister der Stadt Bützow, der Vertreter der Opferverbände, Prof. Dr. Gerhard Meinl, und Sven Domann, Schöpfer des Denkmals. Am Schluss legten die Teilnehmenden am Denkmal Blumen nieder und verharrten in einer Schweigeminute im Gedenken an alle politischen Häftlinge in den Bützower Gefängnissen.

Nach dem Mittagessen standen die Stasi-Untersuchungshaftanstalten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Johannes Beleites, Rechtshistoriker aus Berlin, führte in das Thema ein. Ein plastisches Bild von den Zuständen in der Neustrelitzer Stasi-Untersuchungshaftanstalt entwarf der Film "Einen Namen hast du da nicht gehabt", den der Rostocker Filmemacher Jörg Herrmann vorstellte. Die Frage, wie an den ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalten in M-V mit der Geschichte umgegangen wird widmete sich die abschließende Podiumsdiskussion. Dr. Volker Höffer (BStU, Außenstelle Rostock), Heike Müller (Dokumentationszentrum Demmlerplatz in Schwerin) und Marita Pagels-Heineking (Bis August 2008 Leiterin der BStU, Außenstelle Neubrandenburg) beantworteten die Fragen.

Der dritte Tag bot eine Lesung mit der Historikerin Nicole Glocke im Rathaussaal. Sie stellte ihre Bücher „Verratenen Kinder“ und „Maskerade“ vor. Parallel dazu bot die JVA für Interessierte eine Führung durch die Haftanstalt an. Über 30 Teilnehmende informierten sich über den gegenwärtigen Strafvollzug in Bützow und zeigten ein großes Interesse an den historischen Haftgebäuden. Das Häftlingstreffen endete mit einer Auswertungsrunde, in der das diesjährige Häftlingstreffen sehr positiv bilanziert und Ideen für zukünftige Veranstaltungen vorgetragen wurden. Viele ehemalige politische Häftlinge dankten den Organisatoren für die beeindruckende Veranstaltung und wünschten sich eine Fortsetzung im Jahr 2009.